Kater Memphis

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The Story of Memphis

Machen wir mal Kopfkino:
Ständig hat man das Gefühl, die Blase platzt gleich und ständig rennt man auf die Toilette. Dort kommen aber trotz aller Mühen immer nur ein paar Tropfen. Dann geht man so den Alltagsgeschäften nach und plötzlich verliert man unkontrolliert ein paar Tropfen. Peinlich, wenn man so auf Hygiene bedacht ist.
Und die Schmerzen! Die Schmerzen im Unterleib könnten einen in den Wahnsinn treiben! Besonders wenn die Ärzte da dran herumtasten. Das tun sie bei Gott oft genug. Wenn es denn wenigstens helfen würde! Man tut (und lässt) ja schon, was sie sagen, nimmt bereitwillig jede Pille, jeden Saft, auch wenn er noch so abscheulich schmeckt. Ist geduldig und nett zu jedem, denn man glaubt ja an das Gute im Menschen.

Dann merkt man, wie der Mensch, wie SEIN Partner immer mehr auf Distanz geht. Man spürt mehr und mehr das Entstehen einer psychischen Ferne, fast ein bisschen was wie Ekel bei ihm. Okay, man kann es irgendwie verstehen. Man würde es gerne ändern. Aber wie? Mensch, helf mir doch! Ich will ja, aber ich bin doch auf Dich angewiesen!

Wenn nur diese Schmerzen nicht wären! Aber man ist ja leidensfähig und lernt damit umzugehen. Aber dann entgleitet einem das Zuhause. Man droht alles zu verlieren. Das tut erst recht weh.

Memphis. Das ist seine Geschichte. Aus seiner Sicht erzählt. Subjektiv? Klar. Aber bilden Sie sich selbst ein Urteil. Hier ist seine Geschichte:

Memphis ist ein 5 Jahre junger Maine Coon-Kater, blacktabby, sehr lieb und menschenfreundlich. Seit knapp 2 Jahren leidet er unter unkontrolliertem Harnverlust, obwohl er seine Toilette benutzt. Dem Vorbesitzer wurde gesagt, Memphis habe eine spastische Überlauf-Reizblase. Am besten solle er im reinen Freilauf gehalten werden, damit das Problem für den Besitzer keines mehr sei.
Memphis ist ein anhänglicher Kater, der bislang überhaupt keinen Freilauf gewohnt war. Zudem wohnte er mitten in der Stadt an einer verkehrsreichen Straße. Daher war die Empfehlung natürlich keine. Der Vorbesitzer suchte im Internet nach Hilfe und fand sie schließlich bei der MCH.

Der junge Mann, der gerade erst seine Ausbildung beendet hatte, stand vor einem Umzug und einem Problem: Er hatte in den letzten 2 Jahren diverse Tierärzte konsultiert und mehrere tausend Euro investiert. Dies belegte er durch einen ganzen Katalog an Rechnungen und Befunden, die er uns zusandte. So wurden mehrfach Ultraschall-Untersuchungen vorgenommen, Röntgenaufnahmen gefertigt, Blutwerte und der Urin getestet, verschiedenste Medikamente und Diätnahrungsmittel vom Tierarzt verabreicht. Mehrfach musste der Kater wegen akuter Entzündungszustände im Bereich der Blase / Niere starke Antibiotika schlucken oder gar katheterisiert bzw. infundiert werden. Memphis lernte auf diese Art und Weise eine Menge Tierärzte kennen, die allerhand mit ihm anstellten.

Die tatsächliche Ursache für Memphis Leiden wäre in einem Kontrastmittel-Röntgen schnell entdeckt worden. Doch leider wurde eine solche Untersuchung nie durchgeführt. So musste Memphis mit seinen Schmerzen und Problemen leben und darunter leiden, bis er von der Maine Coon Hilfe e.V. in der Pflegestelle Alpen aufgenommen und von den Tierärzten unseres Vertrauens weiter betreut wurde.

Wir beobachteten den Kater zunächst mehrere Tage und führten Buch u. a. über sein Harnverhalten. Danach stellten wir ihn unserer Tierärztin Dr. Boenigk in Wesel vor, die die bisherige Diagnose „Überlauf-Reizblase" bestätigte und uns zur weiteren Behandlung an eine Tierklinik verwies, die sowohl neurologisch als auch urologisch spezialisiert ist. Wir entschieden uns für die TiHo Hannover, weil wir dort bereits sehr gute Erfahrungen gemacht haben und weil diese auf unsere entsprechende Voranfrage am kundenfreundlichsten reagierte.

Am 26.03.2015 stellte sich Memphis schließlich dort der Neurologin Dr. Jasmin Neßler vor. Bereitwillig und schnurrend ließ er sich zunächst einer Allgemeinuntersuchung unterziehen. Nachdem Ohren, Augen, Maul und Po (inkl. Fiebermessung) intensiv untersucht worden sind, wurde er in Hinblick auf mögliche neurologische Auffälligkeiten hin begutachtet. Hierfür wurde er vor allem im Bereich des Rückens und des Beckens intensiv abgetastet. Memphis sollte gezielt im Zimmer laufen, sich hinlegen und wieder aufstehen, damit sein Gangbild und die Bewegungsabläufe beobachtet werden konnten. Memphis machte dabei alles so, wie es von ihm erwartet wurde. Hierbei ergaben sich jedoch keine Erkenntnisse, die neurologisch auffällig gewesen wären.

Schließlich wurde er von 3 verschiedenen Seiten aus geröntgt. Auch hier war er sehr kooperativ und verblieb, von uns leicht unterstützt, in den teilweise nicht sehr gemütlichen Stellungen brav liegen, bis das gewöhnte Geräusch vorbei war. Das dafür vom Röntgenassistenten ausgesprochene Lob nahm er schnurrend entgegen. Auf den Bildern erkannte man den übernatürlichen Umfang der schlaffen Harnblase und die Darmschlingen, die Mühe haben, sich zwischen der raumgreifenden Blase noch einen Weg Richtung Anus zu bahnen. Diese Aufnahmen stellten zwar das Problem bildlich dar, gaben uns aber keine Antwort auf die Frage nach der Ursache.

Dann wurde versucht, Memphis einen Blasenkatheter zu schieben, was jedoch misslang – noch im penilen Anteil der Harnröhre stieß der Katheter auf ein für ihn unüberwindliches Hindernis. Was konnte das sein?

Das sollte anschließend in einer weiteren Untersuchung ermittelt werden, dem sogenannten Kontrastmittelröntgen. Da selbst der brave Memphis hierbei nicht still halten würde, wurde er narkotisiert. Anschließend wurde ein Kontrastmittel über den Penis in die Harnröhre gespritzt und danach weitere Röntgenaufnahmen beidseits gemacht. Jetzt war die Ursache offensichtlich – die Harnröhre war geknickt und durch eine Stenose stark eingeschränkt.

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Aufgrund der latent bestehenden Gefahr des Rückflusses von Urin aus der Blase in die Niere entschied man sich nach Rücksprache mit uns, Memphis bereits am Folgetag zu operieren.

Wir alle waren unglaublich aufgeregt und gespannt, wie die OP verlaufen würde. Es war geplant, den Penis zu amputieren, die Harnröhre zu begradigen, zum „Ausgang" im Bereich des Penis zu verlängern und dort zu vernähen. Als wäre dieser Eingriff aufgrund der vielen in dem Bereich verlaufenden Nervenbahnen nicht schon schwierig genug, bestand das größte Problem darin, die Blasenmuskulatur wieder zu aktivieren. Die Blase wies seit dem Bestehen des Problems dauerhaft mindestens den doppelten Umfang auf wie normal, die Muskulatur war während dieser Zeit völlig inaktiv. Hier sollte zunächst ein Katheter gelegt und mittels diesem eine langsame Entleerung der Blase erfolgen. Die Therapie sollte später mit Medikamenten, die auf die Rezeptoren einwirken, unterstützt werden.

Am nächsten Tag der erlösende Anruf: OP erfolgreich auf allen Ebenen! Grund für die „Umleitung" und den Engpass der Harnröhre war eine Wucherung, die auf eine Gewalteinwirkung (z. B. durch einen Aufprall) zurückzuführen sein könnte. Sicherheitshalber wurde eine Probe in die Pathologie geschickt. Das Ziel der OP war jedenfalls erreicht, die Harnröhre wieder voll durchflussfähig und die Naht schien zu halten. Ein paar Tage später wurde schließlich der Katheter gezogen. Die Naht hielt und Memphis war - DICHT !! Das Team der TiHo war selbst überrascht von dem Ergebnis und hielt uns mit einem ehrlichen Lächeln, nein: Lachen am Telefon über den aktuellen Stand auf dem Laufenden.

Nach einigen Tagen stationärer Betreuung in der TiHo konnten wir Memphis wieder abholen. Dafür kämpften wir uns sogar 280 km durch den Orkan „Niklas" nach Hannover und wieder zurück.

Nach 2 Wochen Einzelhaft mit Halskragen und sehr eingeschränkter Bewegungsmöglichkeit wurden die Fäden gezogen und eine Wundkontrolle durchgeführt, die sehr positiv verlief. In der Zeit wurden seine Ausscheidungen streng überwacht. Sie normalisierten sich zusehends und waren zum Schluss normal. Urintröpfeln oder andere Form von Unsauberkeit wurde bislang nicht festgestellt. Memphis erholt sich nun von den Strapazen und wird mit gutem Futter und viel Liebe verwöhnt. Er muss wieder richtig Kräfte sammeln, denn noch steht eine Zahn-OP an, er muss noch geimpft und gechippt werden und auch der Urin muss nach einer gewissen Zeit noch mal auf evtl. Erreger oder Kristalle hin untersucht werden. Aber Memphis ist auf dem Weg, ein völlig normales Leben führen zu können, wenngleich der künftige Besitzer bei ihm ganz besonders auf die Hygiene achten muss. Und vor allem ist er endlich schmerzfrei!

Wir danken an dieser Stelle dem Team der TiHo Hannover für die freundliche Aufnahme, vor allem aber für die chirurgische Meisterleistung und die liebevolle Betreuung von Memphis während seines „Krankenhausaufenthalts".

Memphis ist übrigens nicht mehr zu haben - er bleibt ei uns!

Alpen, den 14.04.2015
Norbert Steins

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