Kater Aragon

Aragon kam im August 2008 zu uns, zusammen mit 4 weiteren Katzen konnten wir ihn aus einer süddeutschen “Zucht” befreien. Mitte August 2008 wurde er zusammen mit einer “Kumpeline” an ein Ehepaar vermittelt. Ein Jahr später, im September 2009, mussten wir beide Katzen wieder abholen, weil die Leute inzwischen ein Baby bekommen hatten und die vielen Katzenhaare und die Streu störten.

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Zu dem Zeitpunkt wußten wir schon, dass Aragon an Diabetes litt, er war aber gut auf sein Insulin eingestellt (dachten wir). So konnte er zu Erika in Pflege ziehen, die selber einen Diabetes-Kater hat und sich daher sehr gut in die Thematik "Zucker" eingearbeitet hat. Jeden Tag pünktlich um 7 und 19 Uhr wird bei ihm der Blutzucker gemessen und die nötige Dosis Insulin gespritzt. Da er auf das Katzen-Insulin nicht anspricht, bekommt er Menschen-Insulin von Lantus.

Am 03.10. dann der Zusammenbruch: Erika kommt von der Arbeit nach Hause, Aragon liegt halbtot im Flur und rührt sich nicht mehr. Sie hat natürlich gleich den Kater eingepackt und ist in die Tierklinik gefahren.

Diagnose: "Hyperglykämie (Überzucker, Wert über 600 mg), komatöser Zustand". Aragon kommt sofort an die Infusion und muss stationär in der Praxis bleiben. Es folgt eine Reihe von Untersuchungen, mehrmals täglich werden die Blutwerte kontrolliert. Die Tierärzte können ihn wieder auf die Beine stellen und nach 3 Tagen darf er nach Hause zu "seiner" Erika. Die bekommt genaue Anweisungen, wieviel Insulin sie ihm täglich spritzen muss (zu dem Zeitpunkt hat sie sich noch auf das Verlassen, was der TA gesagt hat und nicht täglich gemessen).

Aragon hat sich inzwischen prächtig in der Pflegefamilie eingelebt und die anderen Katzen sind seine Freunde. Der getigerte Finn ist sein bester Kumpel und zusammen fischen sie schon mal den Gartenteich leer oder rupfen den Bambus bis zur Unkenntlichkeit. Aragon ist anhänglich, verschmust, lieb, lebhaft und folgt seiner Erika überall hin. Und wenn sie 5mal am Tag ins obere Stockwerk geht, läuft er 5mal hintennach (oder er pennt bei seinem Peter auf dem Sofa). Tagelang funktioniert es auch mit der Insulingabe, bis er an einem Samstag wieder zusammenbricht. Noch am Morgen war er munter und fidel, hat gut gefressen, kurz nach Mittag ist er nicht einmal mehr in der Lage zu stehen, geschweige denn zu laufen. Er ist sehr matt, bewegt sich kaum und seine Schleimhäute sind porzellanweiss.

Wieder Notfallmäßig in die Klinik, diesmal ist es eine Hypoglycämie, also Unterzucker, der Glucose-Wert liegt bei 19 mg. Diesmal bleibt er über eine Woche stationär bei unserem TA, weil es fast unmöglich ist, ihn auf die richtige Dosis einzustellen. Aragon wird noch einmal gründlich auf den Kopf gestellt, es werden ein Bauchraumschall und mehrere Röntgenbilder gemacht, die üblichen Blutentnahmen zur Blutzuckermessung mehrmals täglich, sowie ein großes Blutbild.

Wieder ist Aragon der Liebling des Praxisteams, weil er ein so sanfter und lieber Kater ist, der alles klaglos und vor allem völlig aggressionslos über sich ergehen lässt. Die TA-Helferinnen lassen ihn abends in der Praxis spazieren gehen, spielen und kuscheln mit ihm.

Trotz des hohen Narkoserisikos, entscheiden wir uns für eine Zahnsanierung, da seine Zähne sehr marode sind und teilweise unter Eiter stehen. Mit den schlechten Zähnen und der starken Entzündung im Maul, so unser TA, ist es unmöglich, den Kater richtig einzustellen.

Am 27.10.2009 findet die Zahn-OP statt. Aragon bekommt eine schonende Inhalationsnarkose für Risikopatienten einschl. Monitorüberwachung und intravenös Flüssigkeit zugeführt, um die Nieren möglichst zu schonen. Er muss mehrere Backenzähne lassen und am Eckzahn wird eine Fistel entfernt. Aragon übersteht die OP überraschend gut und darf am selben Tag wieder nach Hause.

Bis hierher hat Aragon für Kosten in Höhe von knapp 1.800,- Euro gesorgt.

Erika hat sich, übrigens gegen den Rat des TAs, dazu entschieden, Aragon jedesmal vor der Insulingabe zu messen, der Glucosewert ist ja auch abhängig davon, ob und wieviel der Kater frißt. 2mal täglich bekommt er also sein Ohr mit einem Mini-Körnerkissen angewärmt und massiert, um die Durchblutung anzuregen, dann wir er ins Ohr gepiekst und der Blutstropfen mittels speziellem Messstreifen und -gerät bestimmt. Dann bekommt er die Dosis Insulin, die er benötigt mittels "Pen" injiziert. Durch diesen speziellen Pen namens "Lantus Solostar", der sich sehr genau dosieren lässt, ist sichergestellt, dass er weder zuviel noch zu wenig Insulin bekommt.

Im Juli diesen Jahres "springen" die Werte von Aragon derart rauf und runter, dass er erneut dem TA vorgestllt wird. Die Werte, die normaler Weise um die 200 mg liegen, fallen runter bis 50 mg, bzw. schnellen rauf bis an die 600 mg- Marke - und das oft an einem Tag. Der TA vermutet eine Infektion und wieder bleibt er ein paar Tage in der Klinik. Wieder wird er auf den Kopf gestellt, es wird mehrmals Blut genommen und untersucht, aber nichts Konkretes festgestellt und Aragon darf wieder heim.

Da ihn die schulmedizinische Behandlung offensichtlich nicht recht weiter bringt, wird Aragon momentan auch alternativ von unserer Tierheilpraktikerin behandelt. Seine Werte haben sich immer noch nicht richtig eingependelt, aber dennoch geht es ihm "den Umständen entsprechend" gut.

Natürlich kann man das Leben einer Katze nicht mit Geld aufwiegen, trotzdem muss man sagen, dass Aragon recht hohe monatliche Kosten verursacht. Mit dem Insulin, den Teststreifen, den Medikamenten, den TA-Besuchen und natürlich mit Futter und Streu kommen monatlich um die 100 Euro zusammen. Daher suchen wir für Aragon Paten, die uns helfen, diesem liebenswerten Kater ein gutes Leben zu ermöglichen. Da er inzwischen auch nicht mehr der Jüngste ist, haben wir beschlossen, er darf bis zu seinem Lebensende bei seinen Pflegeeltern bleiben und muss nicht mehr umziehen.

Update 11.02.2012: Aragon hat am 09.02.2012 seine letzte Reise ins Land hinter den Regenbogen angetreten. Zwei Tage vorher hatte er einen Zusammenbruch, seine Zuckerwerte waren im Keller und konnten nicht stabilisiert werden. Er wollte nichts fressen und das, was seine Pflegemama Erika ihm eingeflößt hat, erbrach er sofort wieder, nicht einmal die eingeflößte Flüssigkeit blieb drin.

Auch sonst machte er einen Besorgnis erregenden Eindruck und Erika brachte ihn in die TA-Praxis. Leider war es auch den Tierärzten nicht möglich, seinen Zustand zu stabilisieren, geschweige denn zu bessern. Trotz Medikamente, Päppeln und der Zuwendung durch die Helferinnen, lag er den ganzen Tag apathisch auf der Seite und wirkte mehr als erschöpft. Als wir ihn abends besuchten (er hob nicht einmal den Kopf, als wir kamen), um nach ihm zu sehen und uns mit der Tierärztin zu besprechen, war kein Fünkchen Lebenswillen mehr in dem kleinen Kerl.

Die Blutwerte ergaben eine akute Niereninsuffizienz, sowie massive Entzündungen der Leber und Bauchspeicheldrüse. Gegen jede einzelne Diagnose hätten wir den Kampf aufgenommen, aber alles zusammen, in Verbindung mit seinem schlechten Allgemeinzustand ließ uns die schwere Entscheidung treffen, ihn gehen zu lassen. Mit seiner grundgutmütigen Art und seinem anhänglichen und verschmusten Wesen wird uns Aragon sehr fehlen, vor allem seiner Pflegemama Erika und ihrem Mann, dessen Schoß er jeden Abend belagert hat.

Wir möchten uns sehr herzlich bei den Paten für die Unterstützung bedanken. Sie haben es möglich gemacht, dass Aragon noch zwei sehr schöne Jahre in einem liebevollen Zuhause verbringen durfte, ohne diese Hilfe wäre das nicht möglich gewesen. Vielen, vielen Dank dafür.

 

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