Notfellchen Anuschka

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Anuschka – (noch) ein Bild des Jammers

Eine unserer Pflegestellen erreichte ein Hilferuf eines befreundeten Tierschutz-Teams. In einer Tierarztpraxis wurde eine Katze vorgestellt, die schwer krank war und eingeschläfert werden sollte.

Betrachtete man nur die Befunde, erschien das Ansinnen nachvollziehbar. Eine extrem abgemagerte Katzenseniorin (11 Jahre alt) mit einer hochgradig entzündeten Bauchspeicheldrüse, einer veränderten Niere, auffällig verdicktem Gallen- und Darmgewebe, extrem hohen Leukozyten, schwerem chronischen Durchfall (seit drei Jahren!), Pilz und Giardien.

Und dann kam Anuschka: Wache Augen, gesprächig ohne Ende und eine Schmusebacke, die sich unendlich über menschliche Zuwendung freute. Einschläfern? Jetzt? Nö!

Und da Anuschka diese Ansicht recht erfolgreich vermittelte, wurde beschlossen, diesem zerrupften Etwas zu helfen.

Recht bald wurde klar: Die als rettungslos optimistisch bekannte Pflegestelle ist bereit, sich dieser besonderen Herausforderung zu stellen. Und glücklicherweise stimmten auch die Verantwortlichen innerhalb der Maine Coon Hilfe e.V.  zu. Allen war klar, dass eine riesige „Baustelle“ übernommen wird. Aber gleichzeitig wurde uns gezeigt, dass unser Einsatz nicht nur wahrgenommen, sondern nach Kräften unterstützt wird. So mobilisierte das befreundete Tierschutz-Team eine riesige Spende an Pflegehilfsmitteln, Desinfektionsmitteln und Schutzkleidung, brachte noch Futter vorbei und bereitet Baldriankissen zum Verkauf vor. Vielen Dank an diesen recht neuen Verein, der sich auf praktische Hilfe, Aufklärung und Fundraising spezialisiert hat. Hier erfahrt ihr etwas über diese Organisation: http://www.katzen-helfen.de

Und ein großer Dank geht auch an die Tierarztpraxis, die Anuschka stationär aufnahm und stabilisierte, sie hoch kompetent anbehandelte (einschließlich Pilzimpfung) und mit einem mehr als großzügigen Medikamenten-Vorrat übergab.

Anuschka hat sich mittlerweile eingelebt und genießt jede Minute, die ihr Pflegefrauchen in der Quarantäne verbringt. Und Schmusen geht ja auch, wenn der Mensch total vermummt ist (Schutzkleidung). Gut, das Baden und Lösen der ganzen Verfilzungen findet Anuschka nicht wirklich toll. Aber alles andere findet sie voll okay.

Wir hoffen sehr, dass Anuschka noch lange leben wird. Jetzt ist die Kämpferin in liebevoller Obhut und wird nach Kräften unterstützt, damit es ihr bald wieder besser geht. Wir werden berichten.

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Update: 26.01.2019:

Unser Sorgenfellchen hatte dieser Bezeichnung alle Ehre gemacht, denn am Dienstag wollte sie überhaupt nicht mehr fressen und saß mit gesenktem Kopf in der Kratztonne. Außerdem schimmerten ihre Ohren leicht gelb. 

Nach einem kurzen Telefonat mit der Tierarztpraxis machten Anuschka und ihr Pflegefrauchen einen Ausflug nach Wuppertal, wo erneut Blut abgenommen wurde. Glücklicherweise hatten sich die Werte nicht verschlechtert, sodass wir etwas beruhigt waren. Die Medikation wurde leicht modifiziert (stärkeres Schmerzmittel zur Gabe bei Bedarf, zusätzlich Magenschutz und Mittel gegen Übelkeit). 

Das scheint recht gut zu helfen.

Die schlimmen Schuppen auf der Haut, der ganze Dreck, die Krusten und die bösen Verfilzungen sind weitestgehend weg, und der gelbliche Schimmer der Ohren hat sich nach einer ausgiebigen Reinigung (wir ersparen euch die Bilder) als Dreck herausgestellt. 

Anuschka ist eine absolut witzige, sehr gesprächige (laute!!!) Schmusebacke, die einen ganz eigenen Kopf hat. Glücklicherweise hat Nuschi solch eine ausdrucksstarke Mimik, dass man weiß, wenn sie „not amused“ ist. Und diese Signale sollte man ernst nehmen. 

Keine Sorge, das Pflegefrauchen war reaktionsschnell genug und wurde mir minimal verletzt. :-)

Woran wir noch arbeiten, ist die Unsauberkeit (Urin). Durch den Einsatz von Malerfolie und einer dreifachen Schicht an Inkontinenz-Unterlagen konnte der Wäscheberg etwas reduziert werden. Aber wir müssen schauen, ob wir das Problem durch ein verändertes Toilettenmanagement lösen können. Die Anzahl wurde von zwei auf sechs aufgestockt (bedeutet natürlich auch ein Mehr an Desinfektion), es wird unterschiedliche Streu eingesetzt (auch ein Klo mit weichen Unterlagen). 

Wir werden berichten…

 

Update: 03.02.2019:

Anuschka, die ja eigentlich schon aufgegeben worden war und eingeschläfert werden sollte, zeigt uns jeden Tag, wie sehr es sich lohnt, um ein Leben zu kämpfen. Besonders bei einem Sorgenfellchen wie Nuschi, die einen ganz eigenen Kopf hat. Und dieses verstrubbelte Etwas ist der festen Überzeugung, dass sie zwar irgendwann über die Regenbogenbrücke gehen wird, aber definitiv noch nicht jetzt. So!
Jeden Tag sehen wir kleine Fortschritte. Die Augen werden wacher, Anuschka fordert lautstark regelmäßige Besuche in der Quarantäne ein (und meckert, wenn diese beendet werden), und der Durchfall ist mittlerweile weg. Das erstaunt uns wirklich, denn der soll ja über Jahre bestanden haben. Was eine zielgerichtete Diagnostik sowie eine sorgfältige Behandlung doch ausmachen …

Und da nicht mehr alle Nährstoffe durchflutschen, nimmt Anuschka auch zu. Sie sieht zwar immer noch gruselig aus, aber das wird sich in den nächsten Wochen ändern - vorausgesetzt, es gibt keinen Rückfall. Auch die Hautsituation bessert sich. Anuschka findet die Vollbäder zwar doof, aber die Haut ist nicht mehr gerötet und schuppig.

Okay, als Rache für den Übergriff ihres Pflegefrauchens wird prompt auf die Inkontinenzunterlagen gepinkelt (mit Blickkontakt), aber diese kleine Racheaktion nehmen wir doch gerne in Kauf.
Anuschka ist eine echte Diva, eine Schmusebacke und Plaudertasche. Einfach ein Schatz!

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Update 17.02.2019: 

Anuschka hält ihr Pflegefrauchen in Schwung, indem sie intensiv und lautstark Futter und Zuwendung einfordert. Sobald sie Besuch bekommt, freut sie sich total, gibt Köpfchen und schmust ohne Ende. Man merkt deutlich, dass ihr über eine lange Zeit menschliche Nähe und liebevolle Zuwendung gefehlt haben. 

Am Dienstag hatte unser Zauselchen ihren nächsten Kontrolle-Termin beim Tierarzt, und Anuschka hat sich alles brav gefallen lassen - von der Autofahrt mal abgesehen, die fand sie indiskutabel, wie sie lautstark mitgeteilt hat. 

Die Ergebnisse des Untersuchung-Marathons sind so lala. Positiv ist, dass die Darm-Lymphknoten nicht mehr verdickt sind und keine freie Flüssigkeit mehr zu sehen war. Auch die Bauchspeicheldrüse sieht nicht mehr so „wolkig“ aus, und die Leukozyten haben abgenommen, sodass eine zurückgehende Pankreatitis zu vermuten ist. Allerdings gibt es auch unschöne Ergebnisse: Im Urin wurden Oxalat-Kristalle gefunden, und Anuschka scheidet Eiweiß aus. Leider hat sie auch etwas Gewicht verloren. Sorgen bereitet uns die zunehmende Anämie, für die wir noch keine klare Ursache gefunden haben. 

Außerdem ist der Durchfall wieder da, und es haben sich neue Pilz-Areale entwickelt. 

Demzufolge haben wir die Medikamente etwas modifiziert und ergänzt. Drückt die Daumen, dass sich doch alles zum Guten wendet. Nuschi hat es so verdient.

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