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Wenn Besitzer an ihre Grenzen kommen...

sauerland

und die Maine Coon Hilfe e.V. ihrem Namen gerecht wird

Es gibt Vermittlungs- und Verkaufsangebote bei ebay-Kleinanzeigen, Facebook und Co, die Tierschutzaktiven das Blut in den Adern gefrieren lassen. Hierzu gehörte ein Beitrag vom 8.1.2019, mit dem gleich fünf Maine Coons angeboten wurden; davon drei unkastrierte Weibchen.

Erfahrungsgemäß gibt es drei mögliche Reaktionen auf Aufklärung, Nachfragen und Unterstützungsangebote: Heftige Abwehr (bestimmte Personengruppen sind nicht gut auf Tierschützer zu sprechen), Schweigen oder Dankbarkeit.

In dem Fall war es eine Bekannte des Besitzers, die ihn zur Abgabe der Tiere überreden konnte und diesen – recht risikoreichen – Vermittlungsversuch unternommen hatte. Nach den ersten Telefonaten war klar, dass die Tiere schon seit längerer Zeit nicht mehr adäquat versorgt werden konnten und nur noch einen Raum zur Verfügung hatten, sodass ein Notfall vorlag, der das Angebot einer Übernahme rechtfertigte – für alle Katzen/Kater, d.h. auch für den Hauskater, der das Sixpack komplettierte. Glücklicherweise zeigte sich der bisherige Besitzer ausgesprochen kooperativ, sodass bereits am 12.1.2019 die gesamte Gruppe in die Obhut unseres Vereins kam.

Ein großes Glück für die Katzen, eine große Belastung für das Vereins-Konto – von dem Arbeitsaufwand für die Pflegestelle ganz zu schweigen. Denn es stellte sich schnell heraus, dass die fehlende medizinische Versorgung, die eingeschränkten Vorsorgemaßnahmen und die möglichst kostengünstige Fütterung zu umfassenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt haben.

Es handelt sich um drei Kater und drei (noch unkastrierte) Katzen im Alter zwischen vier und 10 Jahren. Zwei der Weibchen sind weiß, eine ist taub, einer der Kater ist ein „Kurzhaar-Coon“ (unser Synonym für Europäische Hauskatze). Für alle Neuzugänge stehen Chip, FIV-/FeLV-Test und Impfungen an, die Weibchen müssen kastriert werden.

Während das ja gewissermaßen ein Tierschutz-Alltagsgeschäft ist, sind die weiteren Diagnosen erschreckend und erfordern teilweise mehrere Operationen sowie umfassende Behandlungen. Klar ist, dass nahezu alle (fünf von sechs Tieren) eine umfassende Zahnsanierung benötigen. Zusammen mit der „Basisversorgung“ werden bereits hierdurch Kosten in Höhe von ca. 3000€ entstehen.

Dass es damit keineswegs getan sein wird, ist offensichtlich, wenn man die weiteren (schmerzhaften!) Befunde betrachtet:

  • Katze mit großflächigem Abszess an der Wange, dort angesammelte eitrige Flüssigkeit ergoss sich nach außen und in die Maulhöhle. Sie wurde sehr zeitnah operiert, dabei stellte sich –neben einem aus mehreren Kammern bestehenden Abszess– auch die Speicheldrüse als ursächlich heraus. In (mindestens) einer weiteren Operation müssen die ebenfalls grauenvollen Zähne saniert werden.
  • Kater mit aufgeplatztem Zehenballen, aus dem das Gewebe herausquoll. Die Wunde wird nun regelmäßig gereinigt, gespült, freigeschnitten etc. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Zehe amputiert werden muss.
  • Zwei Katzen mit Ekzem am ganzen Körper (blutig, krustig – sehr unschön). Einer der beiden hat großflächig offene, blutende Stellen im Bereich der Augen und Ohren. Wir hoffen, dass es „nur“ das Ergebnis vergangenen Flohbefalls ist.
  • Kurzhaar-Coon: Starke Herznebengeräusche, die Niere kaum tastbar, er stinkt erbärmlich aus dem Maul, wo sich eine starke Schwellung zwischen dem Mundwinkel und dem Kiefer befindet. Der Rachen ist massiv gerötet.

Damit diesen Notfellchen ein guter Start in ein neues Leben und in ein gutes Für-Immer-Zuhause ermöglicht werden kann, benötigen wir Unterstützung – sei es durch Spenden, Patenschaften oder Fördermitgliedschaften.

Helfen Sie uns, damit wir weiterhelfen können.

Der Sixpack und wir sagen schon mal: Danke!

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Update: 03.02.2019: 

Kurzversion: Die meisten Tiere haben ihre Kastration und Zahnsanierung durch. Die körperlichen Wunden heilen gut, die seelischen teilweise leider nicht. Trotzdem haben alle Tiere das Potenzial, richtig geniale, liebe, gruppentaugliche Familien-Coons zu werden!

Aber der Reihe nach:

Browny: Ihr Ekzem ist mit Hilfe von Antibiotika und Cortison sehr gut abgeheilt und sie stinkt nicht mehr so aus dem Maul. Sie steht nächste Woche zur Zahnsanierung und Kastration an. Browny ist “typisch bunt”: Sie schaut mitunter sehr frech aus der Wäsche, ist allerdings auch nachtragend und gibt uns die Generalschuld an all dem, was ihr in der letzten Zeit widerfahren ist. Besuchern gegenüber zeigt sie sich aber durchaus aufgeschlossen.

Carlo: Der Fußballen des Katers wird täglich gereinigt und gebadet, die Entzündung geht langsam zurück. Er hat am 12.02. den nächsten TA-Termin. Geplant ist, an dem Tag die Zahnsanierung vorzunehmen (ist dringend erforderlich). Ob die Zehe noch verheilt oder amputiert werden muss, entscheidet sich wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt. Carlo ist bei all den Behandlungen unglaublich kooperativ und nett, ein sehr freundlicher und aufgeschlossener Kater, wenngleich noch schnell verunsichert.

Caspar: Der “Kurzhaar-Coon” hat seine Zahnsanierung hinter sich (s. Foto). Die Schwellung im Maul geht zurück, aber ist immer noch sehr groß..  Immerhin: Der Kiefer ist nicht angegriffen. Vorsorglich wurde eine Biopsie durchgeführt. Sein Blutbild war recht unauffällig, Leber und Niere sind okay. Allerdings ist sein Herz auffällig und muss später untersucht werden. Caspar trägt seinen Namen zurecht. Er ist total aufgeschlossen (negativ formuliert: aufdringlich), verfressen und für jeden Sch... zu haben.

Mia: Die gesündeste der Katzen wurde als erste kastriert – eigentlich ohne Besonderheiten. Allerdings stellte sie kurz darauf das Fressen ein. Die Wunde als auch alle anderen Parameter waren unauffällig, sie hatte total wache Augen und die Ausscheidungen waren okay. Schließlich mussten wir sie zwangsernähren und 1 Woche nach der Kastra erneut dem TA vorstellen, da sie plötzlich ein starkes Fieber entwickelte. Auch der fand bei der Untersuchung nichts, was auffällig gewesen wäre. Nach der Injektion eines Medizin-Cocktail fuhren wir besorgt nach Hause – wo sich Mia ohne Federlesens eine Ladung Thunfisch hinter die Binsen löffelte. Eine Diva und Feinschmeckerin also...

Mogli: Seine Zahnsanierung war für unsere Fachtierärztin “die bisher größte Herausforderung”. FORL bei teilweise sehr stabilen Wurzeln, das ist kein Spaß. Bis auf die Canini mussten alle Zähne dran glauben, sie musste vielfach nähen. Er erholt sich jedoch gut von der OP und wir hoffen, dass er jetzt auch langsam sein Normalgewicht erreicht. Das geriatrische Profil jedenfalls war weitestgehend unauffällig. Mogli ist ebenfalls ein total lieber und geduldiger Kater, der unser Herz echt berührt. Er ist immer noch in sich gefangen; für ihn ist das Leben ein einziges Fragezeichen.

Pia: Der Abszess im Gesicht ist fast vollständig abgeheilt. Ihre 2. OP (Zahnsanierung) verlief ebenfalls erfolgreich, allerdings hat sie noch mit den Folgen zu kämpfen; sie sieht noch ziemlich mitgenommen aus. Sie frisst bereits recht gut, braucht aber noch viel Ruhe und Zeit.

Alle Tiere sind bisher FIV/FeLV negativ getestet. Alle Katzen brauchten teilweise widerholt hochwertige Medikamente (insbesondere Antibiotika) und vor allem die Zahnsanierungen waren alle mehr oder weniger umfangreich und zeit-, damit auch kostenintensiv.

Wir freuen uns sehr darüber, dass wirklich alle Tiere so geduldige und liebe Patienten sind. Es gab noch kein einziges Fauchen, Kratzen oder gar einen Angriff. Sie sind so begierig nach Aufmerksamkeit und Liebe, nach Gesellschaft und guter Ernährung, dass es uns ganz warm ums Herz wird, wenn wir an die Zukunft denken. Wir hoffen, den Katzen damit auch ein wenig Kraft zu vermitteln.

Ganz herzlichen Dank an dieser Stelle allen, die unsere Hilfe bisher großzügig durch Futter- oder Geldspenden an den Verein unterstützt haben. Ihr seid großartig! Bitte bleibt am Ball!

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